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Hanomag Garant - ohne festes Dach

 

Vom Band gelaufen bin ich 1936 oder 1937, so ganz genau ist das nicht mehr zu sagen. Jemand der vier Nummern nach mir vom Band gepurzelt ist, ist laut dem neuen Fahrzeugbrief im November 1936 die Erstzulassung erteilt worden. Angeblich war der erste Besitzer damit zur Olympiade in Berlin…

Mein Fahrgestell ist von der Hanomag in Hannover produziert worden. Zeitgleich gab es bei der Hanomag auch den „Kurier“, er hat auch einen 1100cm-Motor mit 23 PS, ist aber etwas länger und auch schwerer als ich.

 

Zu meiner Geschichte kann ich mangels Wissen nicht viel sagen. Mein Monteur hat im Herbst 2018 mich und meinen etwas jüngeren Bruder bei einem Mann in Kempen gekauft. Der Mann in Kempen hatte damals den Plan, aus mir und meinem Bruder quasi Eins zu machen. Mein Bruder und ich stammen aus Mitteldeutschland und sind nach der Wende in den Westen gekommen. Von den Vorfahren aus Mitteldeutsch-land ist so gut wie nichts bekannt.

 

Der Mann in Kempen hatte mein Fahrgestell schon so weit fertig gemacht. Ein paar Teile sind mit denen von meinem Bruder gemischt worden. Mich schmücken jetzt die Maske und die vorderen Kotflügel meines jüngeren Bruders. Der Motor ist noch von einem ‚echten Hanomacher‘ aus Dreien zusammengesetzt worden. Die Werkstatt-Garantie ist mangels Garanten leider erloschen. Wir wollen mal zumindest auf ein langes Motor-Leben hoffen.

 

Was aus meinem jüngeren Bruder wird, steht noch in den Sternen. Wichtig war, dass erst mal einer von uns beiden auf die Straße zurück darf.

 

Im Gegensatz zum Kurier habe ich eine Karosserie in Gemischtbauweise. Die Blechteile sind noch auf den Holzrahmen aufgenagelt. Dadurch bin ich leichter. Hergestellt hat man meine Karosserie bei Karmann in Osnabrück.

Mich hat man anfangs der 2000er-Jahre noch etwas erleichtert. Mein Dach ist weg.

Mein Bruder hat zwar noch sein Dach, ist aber sowohl im Blechkleid als im Holz noch maroder als ich es damals war. Mein jetziger Besitzer hat mich dann zur Kabrio-

Limousine umgebaut, was blieb ihm anderes übrig.

Holz war schon immer ein nachwachsender Rohstoff. Das muss es auch sein. Mein Holz war nämlich ganz schön vergammelt. Jetzt ist fast alles in neuem Eschenholz nachgebaut. Mein Monteur hat sich dafür erst einmal eine Bandsäge gekauft und von einem Freund einen Bandschleifer geliehen. Es soll an manchen Stellen sehr viel Arbeit gewesen sein. Die A-Säulen waren ‚nicht mehr so gut‘. Rechts fehlte die untere Hälfte, links war zumindest noch die Form zu erahnen. In sehr viel Feinarbeit sind die Hölzer (das rechte spiegelverkehrt) nachgebaut und mit noch mehr Feingefühl sind dann die Spaltmaße zu den Türen eingestellt worden.

Die Längsbohlen, auf denen die ganze Karosserie steht, hat ein sehr erfahrener Möbelschreiner in einem Fachbetrieb nachgebaut. Dass die beiden Teile im Original deutlich verschiedene Längen hatten, ist sicherlich durch Fertigungstoleranzen entstanden.

Das Holz unten in den Türen war schon zu Kohle geworden. Beim Durchtrennen

eingeschlagener Nägel und Schrauben mit der Flex hat sie zu Glimmen angefangen.

Ein besonderer Dank gilt einem örtlichen Metallbaubetrieb. Dank deren Pressma-schine konnten die langen Kiemen für die Motorhaubenseiten nachgedrückt werden. Mein Monteur hat dann aus den so bearbeiteten Blechtafeln die Seitenteile erneuert. Die Scharniere aus Klavierband sind auch erneuert.

Mein Monteur hat direkt je zwei weitere Blechtafeln drücken lassen. Meinem Bruder drücke ich die Daumen, dass die ihn noch schmücken werden.

 

Das Getriebe ist in einer Uedemer Oldtimer-Werkstatt instand gesetzt worden. Die alten Kugellager mit Steg gibt es so nicht mehr. Je zwei passende Ringe mit Steg sowie moderne Kugellager ersetzen die historischen, leider völlig verschlissenen.

 

Bei der Farbwahl hat sich mein Monteur lange Gedanken gemacht und sich mit seiner Frau beraten. Die Entscheidung fiel auf eine Farbenkombination, die es damals auch schon gab: hellbeige (RAL 1015) und dunkelrot (RAL 3003).

Das Stoffdach soll dann auch in Rot gefertigt werden.

Bevor mein Monteur dies und die Innenausstattung bei einem Fachbetrieb nachfertigen lässt, wird es noch etwas dauern.

 

Nach dem Lackieren stehen nun zahlreiche ‚Restarbeiten‘ an:

-       Nachbau der Auspuffanlage

-       Erneuerung der hydraulischen Bremsanlage

-       Kardanwelle mit Schiebestück und Hardy-Scheiben einbauen

-       komplette Elektrik einbauen - es bleibt bei 6 Volt - dazu gibt es Masseleitungen an allen Verbrauchsstellen

-       Nachfertigung der vorderen und hinteren Stoßstangen

-       Anbau von bereits lackierten Trittblechen und Kotflügeln

-       Einbau des schon lackierten Fahrzeugbodens einschließlich des neu zu bauenden Batteriekastens

 

 

Der Monteur

Bildergalerie

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